Die 1996 an der Akademie der Bildenden Künste in München entstandene Installation >black< steht am Anfang von Jakub Moraveks künstlerischer Auseinandersetzung mit digitalen Bildmedien und Videos. Es handelt sich um eine im üblichen Sinne interaktive Installation, bei der Bewegung und Effekte noch direkt durch die Manipulation einer Computermouse gesteuert werden. Sie besteht aus einer großflächigen Videoprojektion mit dem Gesicht des Künstlers und einem Tisch für die Mouse. Mit ihr kann der Betrachter Bewegung und Ausdruck des überdimensionalen Gesichts steuern. Verändert er deren Position, bestimmt er beispielsweise zugleich über die Blickrichtung der Augen. Klickt er verschiedene Partien im Gesicht (Augen, Nase, Stirn, Mund, Lippen, Wangen u.s.w.) an, reagiert die Projektion mit den entsprechenden Emotionen, z.B. mit Ekel, Abscheu, Wut, Zorn, Freude, Schmerz oder einem Lachen. Die Übergänge zwischen positiver Beeinflussung und schmerzhafter Manipulation sind dabei fließend und liegen im Ermessen des einzelnen. >black< greift die Ästhetik und das Prinzip eines Spaß- und Action-bestimmten Computerspiels auf, indem es den projizierten Menschen zur Figur und zu einem vom Willen des Betrachters abhängigen Spielzeug macht. Damit enthebt es den Betrachter scheinbar jeglicher ethisch-moralischen Bedenken. Die Einsicht, dass in diesem harmlosen Spiel mit der Steuerung von Gefühlen und Stimmungen Werte wie Freiheit und Würde des Einzelnen in Frage gestellt werden, drängt sich dem Betrachter wohl nicht zwingend auf, gleichwohl er zur maßgeblichen und beinah uneingeschränkt bestimmenden Instanz wird.

 

 

Susanne Prinz