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>cash drive< zeigt in einer mittels dreier Videobeamer auf eine
überbreite Leinwand projizierten Filmesequenz den Künstler (selbst)
bei dem erfolglosen Versuch, eine große, goldene Luxuslimousine
allein durch den Einsatz körperlicher Kraft vorwärts zu schieben.
Erst wenn der Betrachter den symbolischen Preis von einem Euro in die
Zahlungsapparatur der Installation eingeworfen hat, gelingt es, das voluminöse
Automobil' von der Stelle zu bewegen. Bereits nach einer kurzen
Distanz jedoch gerät die Bewegung erneut ins Stocken, und der Künstler
- sicherlich ein neuer Sisyphos - ist gezwungen auf eine neue Eingebung
zu hoffen.
Anders als Jakub Moraveks bisherige interaktive Installationen, reagiert
>cash drive< nicht auf die körperliche Position des Betrachters
im Raum, sondern auf die Entrichtung eines rein symbolischen Wertes: einer
Geldmünze, wie sie im alltäglichen Warenverkehr der Tauschwirtschaft
als absolut allgemeines Wert-Äquivalent, d.h. als zugleich universelles
und daher per se nichtssagendes Zeichen, eingesetzt wird. Stellt hier
schon die Tatsache, dass nach dem Eintrittsgeld der Ausstellung noch einmal
für den Genuss des einzelnen Werks bezahlt werden muss, einen irritierenden
Bruch mit den Konventionen der Kunstpräsentation und -rezeption dar,
so entreißt spätestens die Überlegung, was hier eigentlich
gehandelt werden soll, die allzuvertraute Geste des Geldeinwerfens dem
gewohnten Automatismus und lässt sie - synchron mit der Arbeit des
Künstlers - stocken. Die Frage, was hier geboten ist, was der willige
Kunde letztlich für sein Geld erhält, zwingt sich in jeder Hinsicht
auf und wird noch verschärft durch den Umstand, dass die zirkuläre
Struktur der Filmsequenz der künstlerischen Anstrengung - egal wieviel
Geld eingeworfen wird - kein Ziel in Aussicht stellt.
>cash drive< synchronisiert den künstlerischen Arbeitsprozeß
unmittelbar mit der Zirkulation ökonomischer Zeichen und identifiziert
so künstlerisches Schaffen mit dem Prinzip geldwerter Arbeit, wie
es Marx beschrieben hat. Doch im Gegensatz zu Marx' an der Fertigung von
Gebrauchsgegenständen orientiertem Begriff der Arbeit steht im Falle
der Kunst gerade die für das Funktionieren des Marktsystems essentielle
Produktion von "Mehrwert" radikal in Frage. Wenn >cash drive<
die Gabe eines an sich bedeutungslosen aber wertvollen Zeichens mit der
Gegengabe eines künstlerischen Fortschritts', mit einem an
sich wertlosen aber durchaus bedeutungsvollen Zeichen beantwortet, lässt
sich dann das Geschäft der Kunst als ein Tausch von Geld gegen verwertbaren
Sinn bestimmen? Oder wird auf diese Weise gar künstlerischer Wert
und Sinn vom end- und ziellosen Spiel zirkulierender Zeichen verschlungen?
Anders gestellt kann die Frage auch lauten: Ist mit der Bezahlung jedes
kleinen Fortschritts das ökonomische Verhältnis dem geistigen
Kunstwerk eingeschrieben, oder aber die Kunst ihrerseits als durchaus
berechenbarer Wert dem System der Ökonomie als Ware zugehörig?
Die von >cash drive< aufgeworfene Frage nach dem ökonomischen
Wert und Sinn von Kunst ist schließlich auch die nach dem Verhältnis
von Kunst und Macht, denn in einer Gesellschaft, die Werbedesignern den
Rang von Künstlern zugesteht und in der die Realisierung von Kunstwerken
zunehmend erst durch wirtschaftliche Sponsoren ermöglicht wird, kann
das Postulat einer autonomen Kunst (wie vielleicht schon immer, bedenkt
man die uralte Tradition des Mäzenentums) nur als Treppenwitz gelten.
Und so betrifft auch hier, wie immer, wenn von der Ökonomie die Rede
ist, die entscheidende Frage den Profit: Zu wessen Lust pusht' am
Ende der Künstler den goldenen Hauptgewinn? Uns zum Vergnügen
oder sich zum Wohle oder gar für einen großen Konzern? Oder
für alle oder für keinen? Jedenfalls - nicht umsonst.
Florian Schneider
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