Der Titel dieser Videoarbeit von 1997 ist dem gleichnamigen Film von Michael Winner (1974) mit Charles Bronson in der Hauptrolle entliehen. In einer Black Box ist eine Videokamera auf einem Schwenk-Neige-Kopf mit integriertem Servomotor montiert. Dies erlaubt der Kamera, den ganzen Raum zu erfassen. Zudem ist sie in der Lage, den Bewegungen der Personen im Raum zu folgen. Das von der Kamera erfasste Bild wird zeitgleich mittels eines Videobeams auf eine Wand im Ausstellungsraum projiziert. Im Zentrum der Projektion ist eine Pistole zu sehen, die auf das projizierte Bild des Betrachters zielt und ihm bei jeder Bewegung im Raum, übermittelt durch ein Bilderkennungssystem, folgt. Scheinbar wahllos sucht sich der virtuelle Schütze sein Ziel. Jede Verfolgungssequenz kulminiert in einem hallenden Pistolenschuss und beginnt dann sofort von neuem.

Zum ersten Mal lässt der Künstler in >death wish< den Betrachter in einem eigens konstruierten Raum agieren, der keinerlei direkte manuelle Manipulation seinerseits mehr zulässt. Der Betrachter scheint einer Maschine ausgeliefert, deren Gesetzmäßigkeit sich ihm verschließt und die ihn vom Privaten in eine verdunkelte Öffentlichkeit zerrt, in der er auf radikale Wiese sichtbar wird. Dergestalt mit seinem eigenen Abbild konfrontiert, findet er sich unvermutet in der Rolle des Objektes seiner eigenen Blicke. Diese Position ist prekär, denn obwohl er die Pistole durch seine Bewegung steuert, kann er dies nicht als souveränes Vermögen empfinden. Er bleibt in der Position des Bedrohten. Gleichwohl er sich also als Verursacher sieht, kann er sich nicht als Täter empfinden, fehlt es doch an der Illusion freien Willens und der Möglichkeit, die Bedrohung aufzuheben. In dieser Spirale gibt es keine Rückzugsmöglichkeit. Zwar durchschaut der Betrachter die Illusion möglicherweise, eine Rationalisierung bleibt jedoch unmöglich, wird sie durch den lauten, plötzlichen Pistolenschuss doch auf die hysterische Ebene einer als real empfundenen Bedrohung gehoben. Unvermittelt bricht die momentane Identität zwischen Subjekt und Bild und macht klar, dass es sich immer um eine scheinbare handelt.

Susanne Prinz