1999 bekommt Jakub Moravek zum ersten Mal Gelegenheit, seine Arbeit auf die aktuelle Situation eines spezifischen Ortes auszurichten. Mit >lucky day< installiert er eine Arbeit, die einen Teil ihrer Bedeutung durch die Positionierung in der U-Bahn-Station Universität in München erhält. Diese Haltestelle ist als Treffpunkt der Drogenszene bekannt. Sie ist mit flimmernden Infoscreens und bunten Werbetafeln ausgestattet und nimmt die Videoinstallation als gleichwertige Reizquelle auf.

Ein Schaufenster ist mit schwarzer Folie abgeklebt, so dass nur ein Ausschnitt in Fernseherformat ausgespart bleibt. Im Raum hinter der Scheibe befindet sich eine größere Projektionsfläche, von der abhängig vom Abstand des Betrachters zur Fensterscheibe unterschiedliche Ausschnitte gesehen werden können. Bewahrt der Passant Abstand zur Glasscheibe, sieht er das Gesicht eines Mannes, der über seine Absicht spricht, ein Bett zu bauen. Erst wenn er direkt an die Scheibe herantritt, kann er die vollständige Projektion wahrnehmen: ein Mann in einem Sessel sitzend, der sich Drogen spritzt. Die Konstruktion von subjektiver Wirklichkeit, abhängig von der Disposition des einzelnen Betrachters und seiner Bereitschaft, sich einzulassen, funktioniert letztlich unabhängig vom Ort. Universelle Grundlage ist das Prinzip des Ausschnitts als Bild und Mosaikteil. >lucky day< rechnet mit dem oberflächlichen Betrachter, der - sei es aus Konvention oder aus Gleichgültigkeit - nichts und niemanden zu nahe tritt und sein Verständnis der Welt von schnell wahrgenommenen Bildern ableitet.

Susanne Prinz