Auf den ersten Blick ist >news< eine klassische Single-Channel-Arbeit, frontal zum Betrachter, den sie zur passiven Konsumption verurteilt. Der einfache Videobeam projiziert eine ursprünglich nur 20 Sekunden lange Sequenz, die in extremer Zeitlupe auf die spielfilmhafte Länge von 52 Minuten gedehnt wurde. Die Projektionsfläche ist von einem schwarzen Rahmen umgeben, so dass der wage Eindruck eines überdimensionierten Fernsehapparats entsteht. Dieser Eindruck wird durch das Zusehende bestätigt - eben einen Fernsehapparat, der zentrales, über lange Zeit einziges Motiv des Films ist. In normaler Geschwindigkeit sieht man etwa 25 Minuten lang eine Nachrichtensendung. Während dessen schiebt sich im Hintergrund des technisch perfekt ausgeleuchteten Settings ein Mann mit einem Beil langsam ins Bild, in aufreizender Langsamkeit nähert er sich dem Fernsehapparat und zerstört in schließlich - man ist versucht zu sagen endlich - mit seiner Axt. Tatsächlich ist die Zeitlupe so extrem, dass es dem Betrachter unmöglich ist, einzelne Bewegungen zu verfolgen. Der Attentäter scheint einfach aufzutauchen, sich durchs Bild zu schieben und dann in einer Aktion von großer Schönheit seinem Zerstörungswerk nachzugehen.
Pierre Bourdieu ist der Ansicht, dass das Fernsehen für verschiedene Sphären kultureller Produktion eine große Gefahr bedeutet, die bis ins Politische reicht und Strukturen der Demokratie aufweicht. 1996 bringt er in zwei Fernsehvorträgen, die 1998 in Deutschland unter dem Titel "Über das Fernsehen" erschienen, Überzeugungen zum Ausdruck, die ähnlich sicherlich nicht nur von einer linken intellektuellen Elite, sondern auch von einem Großteil des Bilddungsbürgertums geteilt werden. Er geht davon aus, dass das Fernsehen einen seiner wichtigsten Aufträge, die umfassende und objektive Information der Öffentlichkeit, nicht mehr erfüllt. Als eine Hauptursache der fortschreitenden Ablösung der Information durch die Sensation isoliert er die unselige Herrschaft der Einschaltquote, jenes pseudo-demokratischen kleinsten gemeinsamen Nenners, dem eine zunehmende Zahl von Journalisten im vorauseilenden Gehorsam zuarbeitet.

Getreu dem 68er Motto "Mach kaputt, was dich kaputt macht" scheint Jakub Moraveks Arbeit >news< eine simple wiewohl symbolische Lösung für dieses Problem gefunden zu haben, die ähnlich vor über dreißig Jahren schon von Vertretern des Fluxus exerziert wurde. Darauf, dass die Sache ganz so einfach nicht sein kann, weist den aufmerksamen Betrachter das von Moravek für seine Installation adaptierte Bild-im-Bild-Verfahren hin. Ursprünglich aus der Malerei stammend, bietet es die Möglichkeit, sich fremde Bilder anzueignen und sie in ein neues, eigenes Bild zu integrieren. Im Fall von news handelt es sich um eine ganze Abfolge von Bildern, die in einem Höhepunkt von faszinierender Schönheit kulminieren. Erfährt man die finale Zerstörung des Fernsehers doch quasi als Bonus, ein zusätzlicher - nach der langen Zeit des Wartens wohlverdienter - Schauder, der das Bild zum Realen wendet - oder vielmehr das Reale zu den Bildern addiert. Die doppelte Verschiebung des Realen in die Fiktion, also vom Ereignis ins Nachrichtenbild, das vernichtet wird nur um wieder Bild zu werden, verdeutlicht, dass offensichtlich das, was wir sehen, keine neuzeitliche Maschinenstürmerei, keine Rache des Zuschauers am Gerät sein kann. Vielmehr entsteht eine Atmosphäre der Zweideutigkeit, die Verständnis für ein durch die Faszination der Gewalt verführtes Publikum zeigt, indem es einen irrsinnig scheinenden Akt der Zerstörung in das Feld der Ästhetik und in den Kunstkontext überführt.

Susanne Prinz