>speed< entstand 2001 in Kooperation mit dem Fotografen Alexander Timtschenko. Sieben raumhohe Videoprojektionen füllen nahtlos drei Wände eines abgedunkelten Raums. Die einzelnen Szenen des Panoramas zeigen verschiedene, offensichtlich aus Kinofilmen entnommene Autoverfolgungs-jagden. Die Bilder sind dynamisch, fast bedrohlich in ihrer Schnelligkeit. Die wilden, frenetischen Bewegungen der Szenen sind von ohrenbetäubendem Motorenlärm begleitet, dessen Rhythmus allein durch den Wechsel der Gänge beim Schalten bestimmt wird. Dialoge, überhaupt jede Spur menschlicher Stimmen, wurden gelöscht. Wie die Ton- sind auch die Bildsequenzen Kompositionen mehrerer Filme. Schnitte, Wechsel der Kameraposition und der Brennweite ersetzten die Bewegung des Betrachters im Raum. Diese Bewegung, die die Kamera schon im Ursprungsmaterial übernommen hat, erfährt eine neue Choreographie. Verschiedene Symmetriepunkte, z.B. parallele Links- oder Rechtskurven oder - am offensichtlichsten - eine gleichzeitige Explosion am Ende aller Filmsequenzen, binden die Einzelbilder zusammen. Paradoxerweise verhindert die Begrenztheit des menschlichen Blickwinkels die Wahrnehmung dieser Totalen. Dem Betrachter gelingt es höchstens zwei oder drei der Szenen gleichzeitig zu sehen. Er ist also weder gänzlich von einer Bilderwelt umschlossen noch sieht er sich Einzelbildern gegenüber. ‚Delightfull horror' oder die schiere Lust am Spektakel bestimmen diese dritte Gemein-schaftsarbeit mit Alexander Timtschenko. Sie will uns glauben machen, dass, wenn Kant Autos verkauft hätte, es solide, kraftvolle und vor allem schnelle Fahrzeuge gewesen wären. Tatsächlich spricht Kant in seiner Kritik der Urteils-kraft vom Dynamisch-Erhabenen. Zwar ist bei Kant die Dynamik der Natur gemeint, doch ist es eine spezifische Eigenart unserer Zeit, die Dynamik als Tempo zu lesen und die Natur durch Technik zu ersetzen.  
 
Susanne Prinz