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Jakub Moraveks Abschlussarbeit an der Akademie der
Bildenden Künste in München >standing ovation< ist eine
unterhaltsame Studie über das Bedürfnis des Menschen, im Mittelpunkt
zu stehen. Sie widmet sich insbesondere einer relativ neuen Art des Geltungsbedürfnisse,
die sich dank akuten Materialmangels zahlreicher Privatsender herausbilden
konnte und als Medienexhibitionismus bezeichnet wird. Wer will, kann in
ihr auch das Realität gewordene Warholschen Diktums vom Ruhm für
15 min. für jedermann sehen
Eine wandfüllend projizierte Filmsequenz simuliert
Szenen aus TV-Shows und überzeichnet die dort von der Regie gesteuerte,
routinemäßig herrschende Hochstimmung des Publikums ins Groteske.
Sie zeigt mehreren Reihen sitzender und stehender Menschen, die von der
Leinwand auf den Betrachter schauen. Diese beobachten den Betrachter scheinbar
konzentriert, bleiben aber ruhig, beinahe teilnahmslos. Erst wenn sich
ein Installationsbesucher zur Projektionswand hinbewegt, werden Sensoren
ausgelöst, die veranlassen, dass sich die Menschenmenge langsam in
Bewegung setzt. Verringert er die Distanz nach und nach, beginnen einige
freundlicher zu schauen, ein paar klatschen. Steht er schließlich
direkt vor der Projektion, steigert sich die Szene bis zum ekstatischen
Jubelausbruch. Verlässt er den roten Teppich wieder, ebbt auch der
Beifall ab. Diese Szenen können beliebig oft abgespielt werden, da
der Film keine lineare Handlung hat. Es gibt weder einen Anfang noch ein
Ende, keine Schnitte, kein Standbild. Die Projektion reagiert prompt und
individuell auf die jeweils handlungsauslösende Bewegung des Besuchers
im Raum. Jeder, ausnahmslos und demokratisch, wird unabhängig von
einer Leistung bejubelt und mit tosendem Beifall überschüttet.
Über Dauer und Intensität der ihm entgegengebrachten Begeisterung
entscheidet der Betrachter selbst. Eine kurze, flüchtige Illusion,
der Traum vom großen Erfolg ist für Sekunden in Erfüllung
gegangen.
Susanne Prinz
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