>station< ist eine Arbeit für den Außenraum. Sie entstand 2000 auf Einladung des Literaturhauses in München. Die Idee, den nächstliegenden U-Bahnhof in Originalgröße in die sechs Fenster des arkadenartigen Erdgeschosses des Literaturhauses zu projizieren, entwickelte sich unmittelbar aus dem architektonisch Gegebenen. Es entstand ein 30 minutiger Film ohne Schnitte und Kameraschwenks. Er zeigt den U-Bahnsteig, gibt Wartende, eine einfahrende U-Bahn, aus- und einsteigende Menschen wider. Es folgt eine Ansage, Wartende steigen ein, Türen schließen sich, die U-Bahn fährt weg. Wieder der Bahnsteig, Wartende....  
 

Übliche Interpretationen von Ortsspezifik folgen entweder formal-ästhetischen oder soziopolitischen Kriterien. In Station paart sich die Veränderung alltäglicher Räume durch Kunst, also die Ästhetisierung des Alltagslebens, mit dem verblüffenden Effekt einer Translokation. Denn, ist für den Fahrgast in der Station das Ein- und Ausfahren der Züge nicht mehr als eine gewöhnliche Alltagssituation, verändert das neue Umfeld die allgemein vertraute Szene zum inszenierten Spektakel. Trotzdem geht es nicht um eine singuläre Situation, vielmehr wird die architektonische Vorgabe ‚Arkade' in ihrer historischen Tradition, nach der sie eigentlich offen sein müsste, ernstgenommen. Nur dass sich statt eines überdachten, aber nach außen nicht abgeschlossenen Fußwegs oder kleiner Verkaufsstände plötzlich eine U-Bahnstation hinter den Bögen zu befinden scheint. Die Verschiebung gewohnter Wahr-nehmungsstrukturen, denen sich der Betrachter durch die Untergrundbahn an der Oberfläche ausgesetzt sieht, sind die Mittel des Künstlers, um alternative Möglichkeiten des Sehens hinsichtlich des uns umgebenen Raumes zu eröffnen.

Susanne Prinz